“Ist das Rost? – “Ja, das ist Rost!”

oder: warum es eine richtige W123 “Ratte” nicht gibt.

 

  Die Idee

  Ausgangssituation

  Ans eigentliche Werk

  Fotos


Ans eigentliche Werk: Die Rückkehr des Rosts

Nachdem das intensive Abschleifen getan und körperlich sowie geistig verdaut worden ist, war erst einmal tief Luft holen angesagt. Und einen wirklich leistungsfähigen Staubsauger um den Innenraum grob zu reinigen.

Und dann stand er da. Komplett abgeschliffen und irgendwie nackt wie Lady Godiva. Er sollte nur noch rosten. Kontrolliert allerdings.

„Lass ihn einfach rosten, kein Problem“  war allerdings ein Trugschluss. Nach ausführlicher Information über Rost stellten sich Zweifel ein, denn Rost braucht neben Chemie (siehe oben) vor allem Zeit. Viel Zeit. Das mussten wir abkürzen.


Nach einigen Versuchen mit verschiedenen Blechen stellte sich heraus, dass nicht einmal Flugrost von alleine auftrat. Sehr zu unserer Verwunderung, denn die Bleche wurden eine Woche lang nass gemacht und der Witterung ausgesetzt. Es tat sich nichts. Gar nichts.

Nun wird Rostbekämpfung ja ausführlich diskutiert, nicht aber wie man Rost entstehen lässt. Nach einigen Versuchen auf Basis grundlegender Überlegungen hatten wir dann aber Erfolg. Wir mischten Wasser mit Salz und weiteren Zutaten, die wir dann möglichst gleichmäßig auf der Karosse verteilten. Und siehe da, nach nicht einmal 24 Stunden begann der zauberhafte Vorgang.


Nun galt es genau den Zeitpunkt zu finden, an dem der Vorgang aufzuhalten war: genug Rostansatz, aber eben noch keine aggressiven Roststellen. Nach einigen Tagen war der Punkt erreicht.

Lackierung ist der falsche Ausdruck

Auf Rost kann man bekanntlich nicht erfolgreich lackieren, daher musste auch hier improvisiert werden. Ziel war eine dauerhafte und witterungsbeständige Deckschicht, die den Gesamteindruck unterstreicht.



Hier griffen wir in die Trickkiste aus Zeiten vor chemischen Rostumwandlern und industriellen Lacken: verwendet wurde ein Gemisch aus speziellem Öl, Leinölfirnis, ein wenig Terpentin und noch irgendwas aus dem Kunstmaler Fundus, aufgetragen mit einem schlichten breiten Pinsel. Pinsel können übrigens richtig teuer sein. Solche Mischungen wurden bereits im 17. Jahrhundert verwendet.

Mit dem Ergebnis sind wir sehr zufrieden. Es erfüllt genau die Anforderungen und lässt sich auch nachträglich nochmals gut auftragen, z.B. nach ungewollter luftwärtiger Applikation fluiden Wirbeltierkotes.
 
Und es sieht aus wie: Rost.

Fazit

Zunächst einige Antworten auf einige zum Teil nicht gestellte Fragen:

  • ja, es ist Rost
  • nein, es ist keine Farbe
  • ja, Waschanlage verträgt er
  • nein, ich würde es nicht nochmal machen, sondern meine nächste Idee
  • ja, er könnte weiterrosten und das wird er
  • nein, er könnte nicht VERrosten, vorher wird sich gekümmert
  • ja, das Typenschild war vorher schon verbogen
  • nein, es war sogar erstaunlich günstig

Eine richtige W123-Ratte gibt es nicht. Aus gutem Grund. Als Ratte verstehen einschlägige "Experten" nämlich "Fahrzeuge, bei denen bewusst kein Wert auf das Äußere gelegt wird, sondern die einfach gefahren werden.".

Nein, einen W123 fährt man nicht einfach. Er ist erhaltungswürdig, selbst an der Grenze.

Und das Äußere: mehr Wert kann man darauf nicht legen.

Demnach ist dieser W123 auch keine Ratte, sondern "Sir Rusty".

Meiner.

Ich mag Rost.

Viele Grüße

Thomas

 Fotos
 

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